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Konstruktives Lernen

In den USA unter dem Sammelbegriff 'Experiential Education' etabliert, steht beim konstruktiven Lernen nicht die Wissensvermittlung, sondern vielmehr das Lernen durch Erlebnis und Erfahrung im Vordergrund...


Die Methode stützt sich auf die handlungs- und erfahrungsorientierte Pädagogik des amerikanischen Philosophen John Dewey (1859-1952), der das Postulat des 'Learning by doing' auf eine wissenschaftliche Basis stellte.

Grundlage aller Theorie war für ihn die menschliche Erfahrung, die beständig rekonstruiert und neu organisiert werden muss. Seine Absage an ein nachrichtentechnisch geprägtes Verständnis von Wissenstransfer machte ihn schon zur Jahrhundertwende zum Wegbereiter der modernen, systemisch geprägten Organisationsentwicklung.

Auch in der Erlebnispädagogik Kurt Hahns, der in den 20er Jahren handwerkliche, psychomotorische und kulturelle Tätigkeiten in sein Modell der Charaktererziehung integrierte, sowie im Projektlernen des Dewey-Schülers William Kilpatrick, das seit den 50er Jahren die Grundlage der deutschen Lehrlingsausbildung darstellt, hat das 'Konstruktive Lernen' seine Wurzeln.

'Konstruktives Lernen' ist die gegenständliche Antithese zum immer noch vorherrschenden instruktiven Lernen. Es geht eben nicht nur darum, Wissen zu transportieren und Know-how zu vermitteln. Wissen und Können verschafft sich jeder Mensch individuell. Er bedient sich dabei der Anlässe und Anregungen seiner Umwelt. Überspitzt formuliert: Der Mensch muss seine Erfahrungen selber machen und am eigenen Leib spüren, was sein Verhalten anrichtet. Nachhaltiges Lernen entsteht dann, wenn Erlebnis und Erfahrung verarbeitet werden – sowohl im Handeln selbst, als auch im gemeinsamen Reflektieren hinterher.

Lerninseln off-the-job

Für das 'Konstruktive Lernen' werden Mikrowelten geschaffen, in denen die Unternehmenswirklichkeit mit ihren Prozessen und Beziehungen nachgestellt wird. Solche 'konstruktiven Lernprojekte' sind räumlich und zeitlich definierte Szenarien mit offenem Ausgang. Sie können gelingen, sie können scheitern und sie können beides zugleich. In den Mikrowelten wird jene Dynamik freigesetzt, die sich zwischen Kunde und Lieferant, zwischen Vertrieb und Controlling, zwischen Chef und Mitarbeiter entfaltet, wenn Produkte und Prozesse unter Zeitdruck auf den Weg gebracht werden müssen. 'Konstruktive Lernprojekte' sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Rahmenbedingungen sind exakt definiert und die Komplexität des Systems ist nicht zu hoch. So treten die 'soft factors', die meist über Erfolg und Misserfolg eines Projektes entscheiden, rasch in den Blickpunkt.

  • Die fachlichen Parameter stammen nicht aus dem betrieblichen oder beruflichen Kontext. Endlose und weitgehend sinnlose Sachdebatten werden damit vermieden.

  • Das gewohnte Arbeitsumfeld wird verlassen. Eine zum Unternehmen kontrastierende Umgebung stimuliert und 'verstört' im positiven Sinne.

  • Es wird direkt und - im Wortsinne - handgreiflich erfahren und rückgemeldet. Daraus entstehen Erlebnisse, die hängen bleiben und sich einprägen.

Die Aufgabe für ein 'konstruktives Lernprojekt' kann beispielsweise darin bestehen, dass drei bunt zusammengewürfelte Teams unabhängig voneinander jeweils ein neuartiges Produkt entwickeln sollen, das bestimmte Kundenanforderungen erfüllen muss. Die Präsentation der drei Produkte vor dem Kunden soll dann gemeinsam erfolgen. Im Anschluss an die eigentliche Projektarbeit werden die abgelaufenen Prozesse gemeinsam mit dem Moderator bzw. Trainer rekonstruiert und die Interpretationen sowie Reaktionen der verschiedenen Rollenträger nachvollzogen. Zielkonflikte, Reibungsverluste, Kommunikationsprobleme und kontraproduktives Konkurrenzverhalten werden offenbar.

Das Geschick des Trainers vorausgesetzt, öffnet das 'konstruktive Lernen' die Tür zu einem systemisch-reflektierenden Denken der Teilnehmer, das zur Selbstkritik ermuntert, Fehler als Lernchance begreift und auf gemeinsame Problemlösung statt auf Patentrezepte setzt.

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