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Lösungsfokussierte Beratung (Solution Focus)

Verliere Dich nicht in der aufreibenden Suche nach der Ursache von Problemen, sondern konzentriere Dich von Beginn an auf mögliche Lösungen - so lautet das zentrale Credo der lösungsfokussierten Beratung, die untrennbar mit den Namen von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg verbunden ist...


Ursprünglich als neue Richtung der Gesprächstherapie entwickelt und 1982 erstmals publik gemacht, hat dieser Beratungsansatz die therapeutischen Wurzeln seiner beiden Protagonisten längst verlassen und findet gleichermaßen internationale wie interkulturelle Verbreitung unter Organisationsberatern, Coaches und Trainern.

Das zentral und radikal 'Neue' am 'Lösungsfokussierten Ansatz' ist das Bekenntnis zur Einfachheit ('Simplicity'): Um in komplexen Situationen und Systemen erfolgreich zu sein, ist es nicht immer hilfreich, sie im Detail analysieren und verstehen zu wollen - hilfreicher ist es oft, unvoreingenommen zu beobachten, was bereits alles wie gewünscht funktioniert, um in kleinen Schritten mehr davon zu tun.

Dieses Vorgehen setzt vom Berater, Trainer oder Coach eine bestimmte Haltung voraus - und manifestiert sich in den 'SIMPLE'-Prinzipien, die die britischen Consultants Mark McKergow und Paul Z Jackson im Grundlagenwerk 'The Solution Focus' (Nicholas Brealey International, Boston 2007) beschrieben haben:

  • Solutions - not problems, also Lösungen statt Probleme fokussieren - und zwar im Sinne von dem, was von den Klienten gewünscht wird (und nicht, was sie als Nächstes tun sollen). Das verlangt vom Berater, sich neugierig auf alle Details einer erwünschten Zukunft (Futur Perfekt) und des bereits in der Vergangenheit Gelungenen zu konzentrieren.

  • Inbetween - not individual, also interaktiv statt individuell arbeiten. Die lösungsorientierte Lerntheorie geht davon aus, dass Menschen ihre Fähigkeiten in der Interaktion mit anderen entwickeln (und nicht 'von innen heraus'). Berater benutzen also eine 'interaktive Sprache', konzentrieren sich auf tatsächlich beobachtbares Verhalten und vermeiden es, 'Gedanken zu lesen'.

  • Make use of what's there - not what isn't, also mit dem arbeiten, was schon funktioniert, besser klappt oder sogar mit dem, das dazu beiträgt, dass es nicht schlimmer wird. Die Bausteine für Veränderung kommen aller Erfahrung nach mit höherer Wahrscheinlichkeit aus dem Bereich der vorhandenen Ressourcen und nicht aus dem der analysierten Defizite.

  • Possibilities from past, present and future, also Hoffnung und Optimismus aus den Möglichkeiten schöpfen, die Gegenwart und Zukunft bieten. Auch in der Vergangenheit liegen häufig unentdeckte Möglichkeiten, die die Klienten erkunden, indem sie diese mit dem zukünftig Gewünschten verbinden.

  • Language - clear, not complicated, also eine einfache, klare Sprache benutzen - mit Worten, die eher kurz und konkret sind und helfen, detailliert den Alltag zu beschreiben. Eine abstrakte und generalisierende Sprache - gar Berater-Kauderwelsch - ist zu vermeiden.

  • Every case is different - avoid ill-fitting theory, also jedem Fall mit Offenheit begegnen, mit einer Haltung des 'Nicht-Wissens', was nun als nächster Schritt getan werden soll. Dies hilft, klarer zu sehen, vor allem, wenn vorgefasste Ideen nicht mit der Erfahrung übereinstimmen.

An diesen Prinzipien orientieren sich Vorgehensweise und 'Handwerkszeug' des lösungsorientierter arbeitenden Beraters:

  • Er stellt offene, kompetenzorientierte und 'ressourcenunterstellende' Fragen, die die Klienten anregen, neu und anders über sich, ihre Ziele und die individuellen oder kollektiven Wege dahin nachzudenken. Beispiel: 'Welche Stärken und Fähigkeiten ermöglichen es Ihnen, die neue Aufgabe mit Zuversicht anzugehen?'

  • Er ermutigt und unterstützt die Klienten durch Wertschätzung Ihrer Ressourcen - häufig verbunden mit einer neuen Perspektive, z.B. im Hinblick auf anstehende Herausforderungen und Chancen. Beispiel: Die Teilnehmer eines Workshops geben sich untereinander Feedback, welche Eigenschaft/Fähigkeit/Kompetenz sie am anderen besonders schätzen. Die Teilnehmer erkennen, welcher Ressourcen-Pool ihnen für anstehende Aufgaben und Herausforderungen zur Verfügung steht und wie sie ihn nutzen können.

  • Er arbeitet mit Skalierungen, die dem Klienten helfen, Unterschiede und Fortschritte zu erkennen und für das eigentlich 'Nicht-Messbare' individuelle Messkriterien zu entwickeln. Beispiel: 'Auf einer Skala von 1-10: Wo standen Sie zu Beginn des Workshops? Wo stehen Sie jetzt? Was ist der Grund, dass Sie die Ziffer 'n' erreicht haben? Was müsste passieren, damit Sie am Ende die '10' - das persönlich optimale Ergebnis - erreicht haben?'

  • Er initiiert über die 'Wunderfrage' einen Prozess als Abfolge von Fragen und Ermutigungen, der Klienten hilft, ohne Begrenzung über die eigenen Wünsche und Zukunftsvorstellungen nachzudenken und ihr kreatives Potenzial dabei freizusetzen. Beispiel: 'Über Nacht ist ein Wunder geschehen und die Situation an ihrer Arbeitsstelle ist genau so, wie Sie es sich immer gewünscht haben. Sie wissen nicht, dass es dieses Wunder gegeben hat, aber woran würden Sie merken, dass es geschehen ist?'

  • Er entwickelt kleine und realistische Schritte als Umsetzungsvorhaben, die behutsam Veränderungen anstoßen. Beispiel: 'Überlegen Sie sich persönlich einen ersten kleinen Schritt, den Sie in den nächsten drei Arbeitstagen umsetzen wollen. Tauschen Sie sich in der Gruppe darüber aus und berichten Sie über die konkreten Auswirkungen, die Sie beobachtet haben.'

Lösungsfokussiertes Arbeiten hat zum Ziel, mit den Klienten gemeinsam Perspektiven zu entwickeln, welche sie ermutigen, selbst gefundene Schritte in Richtung ihrer angestrebten Ziele zu gehen - und dies auf eine möglichst effektive, zeit- und energiesparende Weise. Die Aufgabe des Trainers und Beraters besteht in diesem Sinne gerade nicht darin, Lösungen voranzutreiben, sondern den Teilnehmern Möglichkeiten, Optionen und Handlungsspielräume aufzuzeigen und sie zu unterstützen, diese Vorstellungen mit vielen interessanten Details zu gestalten und zu konkretisieren. Daraus entwickeln sich dann Ideen und Anregungen für zukünftiges Verhalten und daraus ergeben sich wiederum Lösungen im üblichen Verständnis des Wortes.

Im Bereich der betrieblichen Weiterbildung und Organisationsentwicklung bietet sich die lösungsfokussierte Vorgehensweise besonders bei der Optimierung von Teamarbeit und Teamentwicklungsprozessen, bei der Klärung von Konflikten sowie bei Veränderungs- und Change-Prozessen an.

Die drei Grundprinzipien der Lösungsfokussierung

  • 'Repariere nicht, was nicht kaputt ist!'

  • 'Finde heraus, was gut funktioniert und passt - und tu mehr davon!'

  • 'Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt - dann höre damit auf und versuche etwas anderes!'

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