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Positive Psychotherapie (PPT)

'Wenn man etwas haben will, was man noch nie gehabt hat, muss man etwas tun, was man noch nie getan hat', erklärt Prof. Dr. med. Nossrat Peseschkian, die Philosophie der Positiven Psychotherapie (PPT). Peseschkian, im Iran geborener und seit 1954 in Deutschland lebender Nervenfacharzt und Psychotherapeut, arbeitet seit 1968 an und mit dem Verfahren der PPT, deren Begründer er ist. Dem Geist des Humanismus verpflichtet, zählt die PPT wissenschaftlich zu den tiefenpsychologisch fundierten Therapieverfahren und wird in der staatlich anerkannten Ausbildung von Ärzten, Psychologen und Pädagogen gelehrt.


Die PPT versteht sich nicht nur als eine neue Methode, sondern vor allem als eine Grundlage, auf der andere Methoden und Techniken je nach Bedarf des Klienten angewandt werden können. Sie basiert auf folgenden drei Säulen:

  • Der positive Ansatz: Jeder Mensch besitzt positive Grundfähigkeiten

  • Der transkulturelle, inhaltliche Ansatz: Lebensqualität durch das Balance-Modell

  • Der fünfstufige methodische Ansatz: Der Weg vom Symptom zur Konfliktlösung

Die PPT ist einem positiven Menschenbild verpflichtet: Der Mensch ist seinem Wesen nach gut und hat eine Fülle von Fähigkeiten und Potenzialen inne. Positiv meint entsprechend seiner ursprünglichen lateinischen Wurzel 'positum' das Tatsächliche und Vorgegebene.

Tatsächlich und vorgegeben sind nicht nur die Störungen und Konflikte, die eine Person mit sich herumträgt, sondern auch die Fähigkeiten und Selbsthilfeanteile, mit diesen Konflikten umzugehen. Sind diese Fähigkeiten einseitig ausgeprägt oder gänzlich unterdrückt worden, stellen sie eine mögliche Quelle für Störungen im innerseelischen und zwischenmenschlichen Bereich dar. Sie können sich in Stress, Depressionen, Ängsten, Aggressionen und psychosomatischen Störungen äußern.

Für Peseschkian weisen somit jedes Leiden und jedes vermeintliche Fehlverhalten auf einen positiven Wesenszug hin, den es dem Klienten deutlich zu machen gilt. Angst vor Entscheidungen lässt sich beispielsweise positiv deuten als gewissenhaftes Abwägen über die Konsequenzen des eigenen Handelns. Aggression wird als Energieaufwand ohne Zielsetzung interpretiert, Schlafstörungen als die Fähigkeit wachsam zu sein gedeutet.

Ziel ist, dass der Klient auf diese Weise eine andere Einstellung zu seinem Problem und Vertrauen in seine Selbsthilfefähigkeiten (wieder-)gewinnt: Nach dem Spruch 'Den Wert von Menschen und Diamanten kann man erst dann erkennen, wenn man sie aus der Fassung bringt'.

Herzstück der Positiven Psychotherapie ist das Balance-Modell. Nach Peseschkian ist geistige und körperliche Gesundheit nur durch ein Gleichgewicht in den vier Lebensbereichen Körper/Sinne, Leistung/Beruf, Kontakte/Partnerschaft und Sinn/Zukunft zu erreichen.

Psychosomatische Störungen haben ihre Ursache in der Unausgewogenheit in mindestens einem der vier Bereiche:

  • exzessive Gesundheitspflege versus bewusster Raubbau an der eigenen Physis
  • Arbeitssucht versus Flucht vor Leistungsanforderungen
  • Rückzug in die Isolation versus Flucht in die Geselligkeit
  • Flucht in Utopien versus Phantasielosigkeit

sind ebenso typische wie extreme Reaktionen, die auf unbewältigte Problemsituationen des Klienten hinweisen.

Die Lösung des Konflikts erfolgt in einem fünfstufigen Prozess:

  1. Beobachtung/Distanzierung: Welche Symptome und Beschwerden liegen vor? Welche Erklärungen gibt es? Was wurde bisher getan?

  2. Inventarisierung: Welche kritischen Lebensereignisse gibt es? Welchen Einfluss haben sie? Wie ging und geht der Klient damit um?

  3. Situative Ermutigung: Welche dieser Ereignisse wurden bisher bearbeitet? Welche Strategien versprechen Erfolg?

  4. Verbalisierung: Welche Probleme sind noch zu bearbeiten? Welche neuen Strategien/Verhaltensweisen sollen erlernt werden?

  5. Zielerweiterung: Welche Ziele hat der Klient in den nächsten drei bis fünf Jahren bezogen auf Gesundheit, Familie, Beruf, Gesellschaft? Ziel: Erweiterung des Repertoires an Konfliktverarbeitungsmöglichkeiten.

Zentrales Anliegen von Peseschkian ist es, Widerstände des Klienten nicht direkt anzurühren. Geschichten, orientalischen Mythen, Lebensweisheiten aus verschiedenen Kulturen und Humor dienen als Spiegel, die es dem Klienten leichter machen sollen, seine eigene Situation zu reflektieren.

Obwohl zunächst als Psychotherapiemethode begründet, hat die positive Psychotherapie seit 1974 im Managementtraining Eingang gefunden. Sie bietet ein verständliches Theoriemodell und leicht anwendbare innovativen Interventionsmöglichkeiten. Einsatzfelder sind beispielsweise Persönlichkeitsentwicklung, Selbst- und Konfliktmanagement, Führungstraining, Teamtraining, aber auch Coaching.

Da der Methode transkulturelle Untersuchungen in über 20 Kulturen zugrunde liegen, die aufzeigen, wie unterschiedlich Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Einstellungen abhängig vom Kulturkreis bewertet werden, eignet sie sich insbesondere auch bei interkulturellen Fragestellungen.

Trainer für positive Psychotherapie durchlaufen eine mehrjährige Ausbildung und müssen von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychotherapie (DGPP e.V.) oder der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie zertifiziert sein.

Weiterführende Literatur:


  • Arno Remmers, Hamid Peseschkian: Positive Psychotherapie. Reinhardt Ernst Verlag 2013. ISBN: 978-3-497-02345-5.

  • Nossrat Peseschkian, Udo Boessmann: Angst und Depressionen im Alltag'. Eine Anleitung zur Selbsthilfe und Positiver Psychotherapie. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1998, 3. Auflage, ISBN: 3-596-13302-5.

  • Nossrat Peseschkian: Das Geheimnis des Samenkorns - Positive Stressbewältung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1999, 5. Auflage, ISBN: 3-596-14569-4.

  • Nossrat Peseschkian: Der Kaufmann und der Papagei. Orientalische Geschichten in der Positiven Psychotherapie. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 2001, 25. Auflage, ISBN: 3-596-23300-3.

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