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Themenzentrierte Interaktion (TZI)

Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist aus psychologischen und pädagogischen Erfahrungen und Erkenntnissen für das Leiten, Arbeiten und Lernen in Gruppen entstanden. Leitern und Gruppenmitgliedern bietet sie vielfältige methodische Hilfestellungen und orientierunggebende Werte...


Die TZI wurde 1955 von Ruth C. Cohn initiiert und in den Workshop Institutes for Living-Learning (WILL) in den USA und in Europa weiterentwickelt.

Mit ihrer lern- und entwicklungsbezogenen Betrachtungsweise von Menschen, die in Gruppen arbeiten und lernen, wird TZI in Teams, Projekt- und Lerngruppen angewendet. Konferenzen, Besprechungen, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Beratungen und Prozessbegleitungen können mit ihr gestaltet werden.

Beim Arbeiten und Lernen mit TZI sind sachliche, individuelle, zwischenmenschliche und umfeldbezogene Gegebenheiten gleichgewichtig berücksichtigt. Diese dynamische Balance ist ihr Arbeitsprinzip – bildlich dargestellt als ein Dreieck (Thema/Aufgabe – Person – Gruppe) in einem Kreis (Umfeld). Das Ziel der TZI ist das humanere Arbeiten, Lernen und Leben in einer humaneren Welt.

Das Konzept TZI kann mit einem mehrstöckigen Haus verglichen werden. Die oberen Ebenen bauen auf den unteren auf. In der unteren Ebene sind die praxis- und wertgerichteten Grundsätze (Axiome) angesiedelt, die als Kompass für realitätsgerechtes Entscheiden und humanes Handeln dienen und Ausgangspunkt der Reflexion über den Menschen sind:

  • Der Mensch ist eine Einheit von Verstand, Körper und Gefühlen. Er ist eigenständig und in Zusammenhänge eingebunden. Seine Eigenständigkeit ist umso größer, je mehr er sich dieser Abhängigkeiten bewusst ist.

  • Alles Lebendige und seine Entwicklung sind zu achten. Der Respekt vor der Entwicklung erfordert bewertende Entscheidungen für das Menschenwürdige.

  • Freies Entscheiden geschieht innerhalb von einschränkenden inneren und äußeren Grenzen. Eine Erweiterung dieser Grenzen ist möglich.

Die grundlegenden Forderungen (Postulate) befinden sich auf der zweiten Ebene, die das eigene Handeln leiten sowie zentrale Lernziele und Interventionen der TZI sind:

  • Sei Dein eigener Leiter (Chairperson). Mache Dir Deine innere und äußere Wirklichkeit bewusst und entscheide Dich dann.

  • Beachte innere und äußere Hindernisse auf Deinem Weg. Gib Störungen und Betroffenheiten Vorrang.

  • Verantworte Dein Tun und Dein Lassen für Dich und andere.

In der dritten Ebene sind die Methoden, die zielgerichtete Handlungen unterstützen, aufgeführt:

  • Einheit von Selbstführung und Gruppenleitung: Die TZI-Leitung versteht sich als funktionale und partnerschaftliche Leitung. Leiter sind Modellmitglieder, die sich mit ausgewählter Offenheit äußern.

  • Strukturiertes Vorgehen: Themen und Aufgaben finden, setzen, formulieren und einführen. Betrachtet werden Gesamt-, Teil-, Neben- und Gegenthemen.

  • Festes Arbeitsprinzip: Das TZI-Modell, dargestellt als das oben genannte Dreieck im Kreis, sowie die dynamische Balance sind Basis der Gruppenarbeit.

  • Rollierende Planung: Strukturen im Prozess setzen, die das Vertrauen stärken. Die Planung ist zielgerichtet und prozessorientiert.

  • Eingreifendes Handeln/Intervenieren mit dem Ziel: Bewusstheit, verantwortliches Entscheiden und Handeln sowie Sicherung der dynamischen Balance sind in jedem Fall zu wahren.

Die Hilfsregeln stehen in der vierten Ebene, dem Dachgeschoss. Sie sind Kommunikations- und Interventionshilfen. Einige der wichtigsten lauten:

  • Sprich von Dir selbst.

  • Beachte die Körpersignale bei Dir und anderen.

  • Wenn Du eine Frage stellst, sage weshalb Du fragst.

  • Sei zurückhaltend mit Verallgemeinerungen und Vermutungen.

  • Alles was Du sagst, muss wahr sein, doch nicht alles, was wahr ist, brauchst Du zu sagen.

Damit ist die TZI ein sehr einfaches und zugleich höchst anspruchsvolles Gruppenarbeits- und Leitungskonzept. Sie ist einfach, weil die Inhalte leicht nachvollziehbar sind, und anspruchsvoll, weil das Leiten einer Gruppe wie der eigenen Person nach TZI viel Übung und persönliche Entwicklung erfordert.

TZI ist mit vielen anderen Konzepten und Methoden kombinierbar, z. B. Organisationsentwicklung, Moderation, Rollenspiel, Projektmanagement, und unterstützt diese. Mit ihrer lern- und entwicklungsbezogenen Betrachtungsweise der Menschen, die in Gruppen arbeiten und lernen, ist TZI ein sinnvoller Teil eines Gesamtkonzeptes zur Entwicklung von Unternehmen und Organisationen.

Weiterführende Literatur:

  • Mina Schneider-Landolf, Jochen Spielmann, Walter Zitterbarth (Hrsg.): Handbuch Themenzentrierte Interaktion (TZI). Vandenhoeck & Ruprecht, 3. Auflage 2014, ISBN 978-3-525-40193-4.

  • Barbara Langmaack: Themenzentrierte Interaktion. Einführende Texte rund ums Dreieck. Psychologie Verlags Union, Weinheim, 3. Aufl. 1996, ISBN 3-621-27233-X.

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