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Visual Facilitation

'Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.' Die Idee der Nutzung von Bildern, Illustrationen und Zeichnungen zur Informationsvermittlung oder -konservierung ist wesentlich älter als es die Volksweisheit vermuten lässt. Sie hat ihre Ursprünge unter anderem in der Höhlenmalerei der Urzeitmenschen, den Hieroglyphen der alten Ägypter oder den Notizen und Zeichnungen eines Leonardo da Vinci.


Visual Facilitation

Dass das Prinzip der visuellen Verdeutlichung heute mehr denn je auch für Personalentwickler, Trainer und Moderatoren an Bedeutung gewinnt, zeigt die zunehmende Nutzung von Bildern und Visualisierungen jenseits des normalen Flipchart-Einsatzes. Immer häufiger setzen Unternehmen auf die Kraft der Bilder, wenn es darum geht, im Rahmen von Veränderungsprozessen gemeinsam eine Vision zu entwickeln und komplexe Zusammenhänge darzustellen. Möglichkeiten der Visualisierung gibt es viele, sei es im Rahmen von Workshops, Konferenzen und Großgruppen-Veranstaltungen oder auch in schlichten Meetings und in Projekt-Präsentationen.

Je nachdem, welches Ziel mit einem Bild verfolgt wird und wie es zum Einsatz gelangen soll, wird es vor oder während der Veranstaltung erstellt und geschieht die Realisierung allein durch einen externen, auf Visualisierung spezialisierten Profi oder gemeinsam mit der Teilnehmergruppe. Unter den Visualisierungsprofis gibt es solche, die sich rein auf die Bildanfertigung konzentrieren und solche, die die Bildgestaltung auch kommentieren und weiterführende Aufgabenstellungen moderieren. Sind Moderatoren in ihrer Doppelrolle als Visualisierer und Prozessbegleiter in einem Change-Prozess tätig bzw. arbeiten Visualisierer und Prozessbegleiter Hand in Hand zusammen, spricht man vom Visual Facilitating.

Die Einsatzmöglichkeiten und Varianten von Bildern wechseln dabei mit den jeweiligen Phasen des Veränderungsprozesses. Bereits im Vorfeld werden häufig Bilder erstellt, mit deren Hilfe während der Veranstaltung Gesamtzusammenhänge veranschaulicht werden sollen. Solche Überblicksbilder bzw. Learning Maps dienen dazu, komplexe Sachverhalte möglichst auf einen Blick zu vermitteln und werden im Rahmen von strategischen Konferenzen, Workshops und ähnlichen Dialogveranstaltungen mit großen Gruppen eingesetzt - und zwar in der Regel als Wand füllendes Plakat.

Als so genannte Historienkarten lassen sie die Vergangenheit der Organisation Revue passieren und illustrieren dabei häufig auch das 'Idealbild' von der angestrebten Zukunft des Unternehmens. Oder sie visualisieren im Sinne einer überdimensionalen Roadmap die eingeschlagene Strategie sowie die einzelnen Schritte im angestrebten Veränderungsprozess.

Die wandgroßen Bilder sollen dabei das bewerkstelligen, was durch eindringliche Worte der Vorgesetzten und die üblichen Wege schriftlicher Kommunikation und Dokumentation meistens nicht gelingt: Die Mitarbeiter auch emotional zu berühren, zum selbstkritischen Nachdenken und durch das Vor-Augen-Führen gemeinsamer Erfolge und Werte zum engagierten Mitmachen zu bewegen.

Zunutze macht man sich dabei die längst etablierten Erkenntnisse der Gehirn- und Lernforschung, dass so genannte multisensorische Reize schneller und nachhaltiger verarbeitet werden können als nur rein kognitive Inhalte. Mit anderen Worten: Die Kombination von Wort und Bild fördert den Kreativitäts- und Denkprozess.

Veränderungsprozesse scheitern zudem erfahrungsgemäß weniger am Können, denn vielmehr am Wollen der Beteiligten. Wer ein positives Bild vom angestrebten Ziel vor Augen hat, ist motivierter, dieses trotz vieler Unannehmlichkeiten anzugehen.

Bewusst setzt der Visualisierer daher auf die Kraft von Metaphern und Analogien.
  • So illustriert beispielsweise ein Flusslauf unterschiedliche Symbol- und Inhaltsebenen: Auf seinem Weg von der Quelle bis zur Mündung durchläuft er wechselnde Landschaften, die für wandelnde Umfeldbedingungen, wechselnde Herausforderungen oder verschiedene Phasen in einem Prozess stehen können.

  • Um wiederum voneinander getrennte und miteinander zusammenhängende Elemente (z.B. Kunden, Zielgruppen, Abteilungen etc.) anschaulich darzustellen, bietet sich als Motiv unser Sonnensystem an oder ferne Galaxien mit ihren unterschiedlichen Planeten, schwarzen Löchern und Monden.

  • Alte Seefahrerkarten wiederum können als Metapher für die Reise eines Unternehmens dienen, das den selbst gesteckten Zielhorizont in ein bis zwei Jahren erreichen will. Auf der geplanten Reiseroute können Inseln als Stützpunkte und Meilensteine dienen, Orkane als Hindernisse und Gefahren, die es zu meistern gilt etc.

Auch klassische Moderationswerkzeuge wie Maßnahmenplan oder Ideenspeicher lassen sich visuell aufpeppen, wodurch die Ergebnisse der Gruppenarbeit den Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel, indem nüchterne Spalten und Beschriftungsfelder als Symbol oder Bildmotiv dargestellt werden, in die hineingeschrieben bzw. -gepinnt wird. Auf diese Weise entsteht ein kreativer Masterplan, der auch hinterher - als Bild-Protokoll konserviert – ein Hingucker bleibt. Zudem unterstützen bildhafte Arbeitspapiere den Moderator bei der Einweisung in die Aufgabenstellung - denn jeder hat die Arbeitsschritte sofort vor Augen.

Neben den im Vorfeld erstellten Bildern gibt es auch zahlreiche sinnvolle Möglichkeiten, den Veranstaltungsverlauf quasi 'just-in-time' auf Leinwand zu bannen und damit visuell zu protokollieren. Wenn z.B. sichergestellt werden soll, dass wichtige Einzelmeinungen, Bemerkungen oder auch Zusammenhänge eines Workshops, einer Dialogkonferenz oder eines Mitarbeiterforums nicht verloren gehen, bietet sich der Einsatz eines so genannten Storyboards an. In diesem Fall arbeitet ein Visualisierungsspezialist ähnlich einem Gerichts- oder Schnellzeichner: Er hält das Geschehen illustrativ fest und stellt die Bilder später dem Publikum in Rahmen einer Reflexion vor.

Auch Schnell-Schreiber und Mind-Mapping-Experten sind als synchrone Visualisierer gefragt. Das Spektrum ist dabei nicht nur Storyboards im Comic-Stil und einzelne Szenen in Text-Bild-Kombination beschränkt, sondern umfasst auch rein typografische Schaubilder.

In den Reflexionsphasen einer Großgruppenkonferenz kann ein Bildprotokoll, das zuvor einzelne Aspekte der Konferenz festgehalten hat, der Gruppe mitunter vor Augen führen, dass sie bestimmte Themen vertiefen sollte. So werden z.B. kleine Randbemerkungen Außenstehender protokolliert, deren Beobachtungen für die Konferenz von größter Wichtigkeit sind. Anhand der in Szene gesetzten kleinen Beobachtungen kann sich die Gruppe rückversichern, ob sie sich auf gutem Kurs befindet oder etwa am eigentlichen Thema vorbeikonferiert.

Last but not least können Visualisierungen auch gemeinsam mit den Teilnehmern erfolgen. Dabei wird die Gruppe z.B. anlässlich eines Change-Prozesses selbst kreativ und erstellt, angeleitet durch den Moderator, in einer Großgruppenkonferenz eigene Bilder. Unter anderem können Lernlandkarten gemeinsam mit bis zu über hundert Teilnehmern zu einem Riesen-Puzzle zusammengefügt und zum Abschluss einer Konferenz beschriftet werden. Auf diese Weise entsteht ein eindringliches Abschluss-Ritual, bei dem alle Teilnehmer das gesamte erarbeitete Veränderungswissen in einem großen Bild unterbringen. Nach der Konferenz dient das Bild dazu, Mitarbeiter einzubinden und zu informieren, die nicht an der Konferenz teilgenommen haben. Durch die gemeinsam erstellte Lernlandkarte gelingt es, den Verlauf der Veranstaltung, die wichtigsten Botschaften und getroffenen Vereinbarungen im ganzen Unternehmen zu kommunizieren. Die Bilder wirken als Katalysator und Teilchenbeschleuniger für die interne Kommunikation, den Wissens- und Informationstransfer.

Schließlich liegt es an den Verantwortlichen des Unternehmen und den Organisatoren, die Kraft der Bilder im Unternehmen auch nach der Veranstaltung wirken zu lassen: Indem die gemeinsam erstellte Roadmap im Eingangsbereich aufgehängt wird, als Bildschirmschoner auf den PCs der Mitarbeiter installiert wird, Imagebroschüre und Memos ziert, auf T-Shirt gedruckt wird etc.

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